I' AM PROVIDENCE - H.P.Lovecraft

"Die älteste und stärkste menschliche Gefühlsregung ist die Angst." (H.P.Lovecraft)

H.P.Lovecraft - Der Chronist des Grauens

"Denn obwohl Nepenthes mich besänftigt hat, weiß ich, daß ich immer ein Aussenseiter sein werde; ein Fremder in diesem Jahrhundert und unter jenen, die noch Menschen sind."

Selten hat ein Schriftsteller in wenigen Sätzen seine Biographie so treffend in Worte gefasst. Diese Zeilen, 1921 in der Kurzgeschichte Der Aussenseiter zu Papier gebracht, sind programmatisch für einen der wichtigsten Vertreter der phantastischen Literatur - Howard Phillips Lovecraft, den Stephen King als den "dunklen und barocken Prinzen der Horror-Story" bezeichnet.

Lovecraft wurde am 20.08.1890 in Providence, Rhode Island/USA, geboren. Dort verbrachte er auch, von zwei kurzen Unterbrechungen abgesehen, sein ganzes Leben - dessen Beginn von der schweren Krankheit seines Vaters überschattet wird.
1893 erleidet Winfield Scott Lovecraft, Handlungs- reisender von Beruf, einen paralytischen Anfall. 5 Jahre liegt er im Spital Butler in Providence im Koma und stirbt schließlich 1898 als Syphiliker an fortgeschrittener Parese.
Die Erziehung des Jungen übernehmen seine Mutter Sarah Susann, eine neurotische, psychisch labile Frau, die den wehrlosen Howard lange in Mädchenkleider zwingt, und zwei seiner Tanten. Sowie der Grossvater Whipple Van Buren Phillips, ein wohlhabender Industrieller. Letzterer förderte bis zu seinem Tod im Jahre 1904 vor allem Lovecrafts literarische Neigungen und gestattete dem Jungen die uneingeschränkte Nutzung seiner umfangreichen Bibliothek.
Eine ebenso umfassende Schulbildung blieb Lovecraft jedoch versagt. Aufgrund seiner überfürsorglichen Mutter und seiner zu Krankheiten neigenden, schwächlichen Konstitution, besuchte er die Grundschule in der Slater Avenue nur unregelmässig etwa 2 Jahre lang und wurde in der Zwischenzeit von Privatlehrern unterrichtet.

___________________________________________________________________

 

Im Banne des Grauens

Seine erste Vorliebe für das phantastische Genre entdeckte er bereits im zarten Alter von 3 Jahren, als er begierig den Kindermärchen lauschte, die man ihm vorlas.
Mit vier Jahren verschlang der begabte Autodidakt die Geschichten der Gebrüder Grimm, mit Fünf erkundete er die orientalischen Abenteuer aus 1001 Nacht und vermerkte später: "Stundenlang konnte ich Araber spielen - ich nannte mich Abdul Alhazred, weil mir ein netter Erwachsener erklärt hatte, das sei ein typisch sarazenischer Name. Erst Jahre später kam mir der Einfall, Abdul Alhazred in das Milieu des 8. Jahrhunderts zu verpflanzen und ihm das gefürchtete und unaussprechliche Necronomicon zuzuschreiben!"

Das Buch der schrecklichen Beschwörungen ist eine der berühmtesten Erfindungen Lovecrafts, die wohl neben den Einflüssen seiner Kindheit vor allem auf R.W.Chambers und sein "The King in Yellow" zurückzuführen ist.

Mit 6 Jahren begann sich Lovecraft für griechische und römische Mythologie zu interessieren, die ihn so nachhaltig beeindruckte, dass ihm in seinen Träumen "düstere, geflügelte, biegsame Geschöpfe" erschienen.

Im Alter von Sieben schrieb er bereits seine erste Geschichte über eine entsetzliche Höhle - "Der edle Lauscher". Wie die anderen Frühwerke, die Lovecraft als sein schärfster Selbstkritiker als "lächerliche, infantile literarische Gehversuche" abqualifizierte, fiel sie einer Ausmusterung zum Opfer, die er im Jahre 1906 vornahm. Die früheste erhaltene Horrorgeschichte "Das Tier in der Höhle" stammt daher sehr zum Bedauern der Leserschaft erst aus dem Jahre 1905.

Der vielseitig interessierte Lovecraft beschäftigte sich mit Chemie, Geographie, schließlich begeisterte er sich für Astronomie und gab 1903 eine kleine hektographierte Zeitschrift heraus - das "Rhode Island Journal of Astronomy".

Mit 16 Jahren wurde er Mitarbeiter der in Providence erscheinenden Zeitung "Tribune", in der er astronomische Fragen erörterte.
Während des sporadischen Besuchs der High School in der Hope Street beschäftigte er sich ernsthafter mit phantastischer Literatur. Aber erst 1914, als er der "United Amateur Press Association" beitrat - einer Verbindung, die selbstverfasste Zeitschriften publizierte - wurde er ermutigt seine Vorliebe für montröse Geschichten intensiver zu verfolgen.

Es entstanden erste Werke wie "Dagon (1917)", "Beyond the wall of sleep (1919)" und "The Statement of Randolph Carter (1919)", schliesslich "From Beyond (1920)".
1921 gab es eine einschneidende Veränderung in seinem Privatleben. Am 24.Mai verstarb seine Mutter. Sie war "depressiv, herrschsüchtig und hilflos, eine Neurotikerin hart an der Grenze des Wahnsinns (August Derleth)", die nach zweijährigem Spitalaufenthalt im Butler Hospital an "geistiger und physischer Erschöpfung" zugrunde ging.

Lovecraft wurde von der stets überängstlichen und später oft vor sich hin phantasierenden Mutter immer als hässliches Kind bezeichnet und von ihr angehalten das Haus nicht zu verlassen. Eindrucksvoll schildert Lovecraft dieses biographische Detail in "The Outsider".
Trotz ihrer offensichtlich negativen Einflüsse auf Lovecrafts Entwicklung löste der Tod der Mutter bei ihm heftige Betroffenheit aus, die sogar in Selbstmordgedanken gipfelte.

Kurz danach traf Lovecraft Sonia Haft Greene, eine Modistin aus New York, für die er ein paar von ihr verfasste Geschichten in seiner Funktion als Ghostwriter überarbeitete und umschrieb. Inwieweit der Tod der Mutter und diese Begegnung miteinander verbunden werden können und welche Einflüsse Lovecrafts damalige Lebensumstände hatten, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Auch seine Briefe geben nur wenig Auskunft darüber.

Die Romanze, wohl Lovecrafts einziger, halbherziger Versuch aus seinem kleinbürgerlichen Milieu auszubrechen, stand unter keinem guten Stern - obwohl sie nach drei Jahren mit Heirat und seinem Umzug in den "Big Apple" gekrönt wurde.

Doch schon bald traten die Charakterunterschiede und Interessenskonflikte deutlich zutage. Vor allem die finanzielle Situation, die sich katastrophal entwickelte, beendete den Eheversuch rasch. Bereits 1926 kehrte er nach Providence zurück. 1929 wurde die Verbindung endgültig geschieden.

___________________________________________________________________

 

Weird Tales and Astounding Stories

1922 gelang es Lovecraft eine Sammlung von sechs Geschichten (die später unter dem Titel "Herbert West - Reanimator" zusammengefasst wurden) in der obskuren Zeitschrift "Home Brew" (einem humoristischen Magazin, heute wohl mit MAD vergleichbar) als "Gruesome Tales" zu veröffentlichen.
Diese Storys inspirierten 1985 einen bis dato in der Filmwelt völlig unbekannten Theaterregisseur zu einer der besten Lovecraft-Verfilmungen: Stuart Gordon.
(Aber dazu später mehr...)

Der überwiegende Teil der wenigen Arbeiten Lovecrafts, die zu seinen Lebzeiten gedruckt wurden, erschienen in dem Trivialmagazin "Weird Tales", das seit 1923 regelmässig herausgegeben wurde. Ein Umstand, der noch heute das Vorurteil schürt, Lovecraft sei ein reiner Trivialautor gewesen.

Im Laufe der Jahre verfeinerte Lovecraft seinen Schreibstil und wuchs zu einem Literaten der Horrorgeschichte heran, der seinesgleichen suchte. Trotz der zunehmenden Brillanz seiner Erzählungen lehnte der "Weird Tales"-Herausgeber Farnsworth Wright häufig den Abdruck ab. So wies er den Klassiker Lovecraftscher Mythologie "The Call of Cthulhu" gleich zweimal zurück.
Einer der besten Arbeiten "At the Mountains of Madness", 1931 geschrieben, musste sogar von dem Konkurrenzblatt "Astounding Stories" publiziert werden.
(Nebenbei: Der kleine, giftige Monarch in dem Animations-Spass SHRECK heisst Lord Farnsworth...)

Traurige Ironie dabei war, das Lovecraft zu Gründungszeiten der "Weird Tales" von dem Verleger J.C.Renneberger gebeten wurde, selbst Herausgeber des Blattes zu werden. Doch der damit verbundene Umzug nach Chicago verhinderte Lovecrafts spontane Zusage. Sein Zögern verschaffte Wright den Job...

Ein Umstand, den Lovecraft - der sich ohne echten Beruf mit dem Umschreiben und redigieren von Geschichten teils völlig unbegabter "Schriftsteller" mit Hungerlöhnen durchschlagen musste - später bitter bereuen sollte.

Auch wenn Lovecraft in seiner Jugend alles las, was er in die Hände bekommen konnte und über ein schier unglaubliches Gedächtnis verfügte, zeigte sich in vielen seiner Anschauungen die Unerfahrenheit des Einzelgängers und eine kaum übersehbare Weltfremdheit.

Die fand ihren Ausdruck vor allem in ultrakonservativen, reaktionär-antidemokratischen Ansichten, die aber auch vom konservativen amerikanischen Bürgertum jener Zeit geprägt waren.

Seine kruden Ergüsse fanden in erster Linie Eingang in seine Artikel, die er für seine im Rahmen des UAPA-Zirkels herausgegebene Amateurzeitschrift "The Conservative" (1917 - 1923) verfasste, sowie in seine umfangreiche Korrespondenz, die nach vorsichtiger Schätzung viele tausend Briefe umfasst und die er an Freunde und ihm bekannte Autoren verschickte.

Unverhohlen waren seine Sympathie für nicht ernstzunehmende faschistoide Rassentheorien, seine strikte Ablehnung von Fortschritt und Sozialismus, sowie seine schon fast pathologische Furcht vor anderen Volksgruppen.

Theorien, die oft auch durch die Fassade seiner Horrorgeschichten schimmern. Letztlich entpuppte sich sein Denken häufig als blanke Angst vor Neuem und Unbekanntem, sowie nicht kalkulierbarer Veränderungen in seinem Lebensgefüge. Schliesslich heiratete er ja trotz seines frühen antisemitischen Gedankenguts mit Sonia Greene eine russische Jüdin.

"Vielleicht war Lovecraft bei seiner Beschreibung fremdartiger Schrecken deshalb so erfolgreich, weil er selbst intensiven Fremdenhass empfand, der sich viele Jahre lang in reaktionären Ideen über den Unwert der nicht weissen Rasse ausdrückte. Xenophobie, die Angst vor Fremden, kennzeichnet konsequent seine Definition der tiefsten Angst als Furcht vor dem Unbekannten", mutmasst Hans D. Baumann.

Und Lovecraft schrieb einmal selber: "Die älteste und stärkste Gemütsbewegung, die die Menschheit kennt, ist die Angst; und die älteste und stärkste Art der Angst ist die Angst vor dem Unbekannten".

Eines änderte sich jedoch in keinem seiner literarischen Versuche. Lovecrafts Geschichten sind asexuell, sieht man einmal von der Möglichkeit psychoanalytischer Deutungen seiner Prosa ab. Weiblichkeit kommt bei ihm nicht oder nur in verzerrter Form wie in "The Dunwich Horror" oder "The Thing on the Doorstep" vor. Direkte Sexualität oder romantische Intermezzi finden nicht statt.

Vielleicht hätten diese Elemente seine kraftvolle Dichtung verwässert, sicher ist es aber eine direkte Folge des prägenden Einflusses der neurotischen Mutter, deren missratene Erziehung in seinen jungen Jahren Unselbstständigkeit förderte und Minderwertigkeitskomplexe ausbildete. Das Lovecraft aufgrund seiner Kindheitserlebnisse homosexuell gewesen sei, ist oft vermutet worden, es lassen sich aber keine stichhaltigen Beweise dafür finden. Seine geschiedene Frau Sonia Greene zumindest behauptete, dass es an seiner Heterosexualität keinen Zweifel gäbe.

Lovecraft als Einsiedler zu bezeichnen trifft den Kern ebenfalls nicht, denn auf seine ganz eigene Art nahm er ja rege Teil am Leben um ihn herum, was seine fleissige Korrespondenz auch beweist.

Mit zunehmender Perfektion seines Schreibstils erschuf sich Lovecraft im Laufe der Jahre ein verwirrendes Universum des Grauens, dessen wirkliche Ausmasse von ihm aufgrund seines frühen Todes nie ganz erforscht werden konnte.

Kurz nachdem in einer beschränkten Auflage von lediglich 200 Exemplaren die einzige Buchausgabe Lovecraftscher Geschichten "The Shadow over Innsmouth" erschien, die er noch erlebte, verstarb er am 15. März 1937 im Jane Brown Memorial Hospital unter grossen Schmerzen an Magenkrebs.

___________________________________________________________________

 

Die August Derleth Connection

Lovecrafts literarischer Nachlass ging nach seinem Tod zum einen an Robert Barlow über, zum anderen an August Derleth. Während Derleth Lovecraft sehr verehrte und seit 1925 regelmässig mit ihm korrespondierte, war Barlow dem Verstorbenen gar nicht so wohl gesonnen, wie Lovecraft sich das möglicherweise erhofft hatte.

Zusammen mit Donald Wandrei plante Derleth die Herausgabe einer kompletten Lovecraft-Sammlung. Doch dieses Ansinnen stieß zunächst auf den erbitterten Widerstand Barlows, der unglücklicherweise kurz nach Lovecrafts Beerdigung in dessen Wohnung auftauchte und alle Aufzeichnungen und Manuskripte des Toten einsammelte.

Erst 1938 händigte er Derleth diese Unterlagen aus, so dass dieser endlich mit der Verwirklichung seines Traums beginnen konnte - einer Gesamtausgabe des Lovecraftschen Erbes.

Wandrei und er gründeten daraufhin den ausschließlich auf Weird Fiction spezialisierten Verlag Arkham House in Sauk City, Wisconsin. Als erstes Buch publizierten die Beiden 1939 eine große Sammlung mit den besten Geschichten Lovecrafts unter dem Titel "The Outsider and others" Ein zweites Buch folgte 1943.

1963 begann Arkham House die gesamte Prosa Lovecrafts neu aufzulegen, ein Umstand, der dem rührigen Billigfilmer Roger Corman nicht entgangen sein dürfte. Zum ersten Mal wurde mit "The Case of Charles Dexter Ward" eine Story aus der Feder Lovecrafts für die Leinwand adaptiert.

Doch Derleth rastloses und sicher gut gemeintes Bemühen den Nachlass des Horror-Poeten einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, enthielt nicht nur positive Aspekte. Derleth hatte nach Lovecrafts Tod nicht damit begonnen dessen Lebenswerk komplett zu publizieren, er fühlte sich auch berufen Fragmente, Ideen und Notizen seines Ideals aufzugreifen und zu eigenen Geschichten aufzublähen - die, wie er dachte, von ihm im Geiste Lovecrafts geformt wurden.

Dabei formte er Lovecrafts komplexe, aber bruchstückhafte Mythologie nach eigener Interpretation zum Cthulhu-Mythos um, obwohl Lovecraft selber zu Lebzeiten stets von seinem Yog-Sothoth-Zyklus sprach. Ein Umstand für den Derleth von echten Lovecraftianern zurecht auf das Schärfste kritisiert wurde.

Lovecraft war zutiefst antireligiös. Daher dürfte es ihm schwergefallen sein, jenen Dualismus seines Götterpantheons zu kreieren, den Derleth später ableitete und der seitdem allzu oft als Grundlage für Kritiker gedient hat. Derleth katholische Erziehung mag ihn dazu bewogen haben Lovecrafts düsteren Kosmos, der bestenfalls gleichgültige Götter zuließ, in einen hoffnungsvolleren Kampf zwischen Gut und Böse zu verwandeln.

Später ging Derleth sogar dazu über eigene Werke des "Cthulhu-Zyklus" zu schreiben, wie etwa "The Trail of Cthulhu". Besonders beim Studium dieser Arbeiten Derleth wird dem Leser bewusst, zu welcher literarischen Brillanz es Lovecraft im Laufe der Jahre gebracht hatte und wie weit er sich dabei vom Trivialen, das ihm so oft zum Vorwurf gemacht wird, entfernt hat. Derleth Erzählungen wirken dagegen farblos und schwerfällig - weit entfernt von der fesselnden Sprachgewandheit seines großen Vorbildes.

___________________________________________________________________

 

Phantastische Literatur oder Horrorschund?

Dennoch ist auch Lovecrafts Schreibstil häufig zur Zielscheibe der Literaturkritik geworden. "In hohem Maße umstritten ist dabei die literarische Technik Lovecrafts, der das Entsetzliche einerseits inmitten der Welt des Rezipienten heimisch machte, indem er es mit der kühlen Sachlichkeit des wissenschaftlichen Beobachters schilderte, andererseits jedoch die durch das Grauenvolle hervorgerufene Atmosphäre und seine Wirkungen auf die menschlichen Subjekte zu einem stereotypen Repertoire bedrohlicher Undeutlichkeit gerinnen ließ. Dieses Verfahren, gelegentlich spöttisch als Adjektivitis diagnostiziert, wird von der Literaturkritik immer wieder negativ bewertet ", erläutert Hans D. Baumann (in seinem großartigen Buch "Horror - Die Lust am Grauen").

In "An den Grenzen des Staunens" gibt M.R. Becher Einblicke in die positive Seite dieses Adjektiv-Repertoires: "Die affirmativen Formeln - grauenhaft, blasphemisch, unsäglich, infernalisch -, durch die sich Lovecrafts Geschichten literarisch deklassieren, sind Ausdruck jener doppeldeutigen Zeichen, mit dem die bedrohliche und insgeheim auch entzückende Erfahrung zugleich heraufbeschworen und abgewehrt werden muss. Am erzählerischen Horizont erscheint der Zweifel darüber, ob es überhaupt Berührungspunkte zwischen Welt und Sprache gibt. Der Text versteht sich somit selbst über weite Strecken hin als Gestammel vor dem Unsäglichen, als Ersatz für eine noch nicht erfundene, dem Erleben adäquate Mitteilungsform."

So sieht das auch Baumann: "Mag die Beschreibung es Sternes als widerlich zwinkern auch schlechter Stil sein - sie verleiht dem durch die Lufthülle flimmernden Lichtpunkt eine Form beängstigender Belebtheit und irrationaler böser Absicht, die Lovecrafts Zielsetzung der Konstruktion kosmischen Grauens wirkungsvoll unterstützt."

Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre erfuhr das literarische Schaffen Lovecrafts einen ungeheuren Popularitätsschub in den USA, vor allem im Bereich der Sub- und Gegenkultur. Der Bekanntheitsgrad erhöhte sich besonders durch zahlreiche Comic-Adaptionen seiner Geschichten im sogenannten "Undergound".

Die Undergound-Szene der Zeicher, heute würde man wohl eher von Independent-Szene sprechen, verstand sich als liberale Gegenbewegung, die in Opposition zur amerikanisch-strengen "Comics Code Authority" stand. Das war eine Art moralischer Prüfstelle, die die Zeichenkünstler in ihrer Freiheit durch einen Katalog von Bestimmungen stark einschränkte, die sich vor allem auf die Darstellung von Sex, Gewalt und politischen Aussagen bezogen.

Besonders die Comicheftreihe "Skull" des kleinen Verlags "Last Gasp", die sich auf Horrorcomics spezialisierte verehrte Lovecraft. In diesen Heften erschienen die meisten und künstlerisch anspruchsvollsten Lovecraft-Adaptionen:
- "The Hound" von Jack Jackson (Künstlername: Jaxon) -
- "Pickmans Model" von Arnold -
- "The Rats in the Wall" von Richard Corben (alias Gore) -
- "The Shadow from the Abyss" von Larry Todd -
-  M.C.Smith verarbeitete "Cool Air" ( eine Story, die später noch einmal von Kultzeichner Bernie Wrightson für die "seriöse" Horrorpublikation der Warren-Company nachempfunden wurde) -
-  selbst das Prosagedicht "To a Dreamer" wurde von C. Dallas im Rahmen dieser Reihe neu interpretiert.

Zwar besaßen die Comix-Produzenten keinerlei Rechte an den Lovecraft-Geschichten, aber es gab eine mündliche Übereinkunft mit seinem Nachlaßverwalter Derleth, der jedoch verstarb, ehe er die Ergebnisse in den Händen halten konnte.

___________________________________________________________________

 

Der Fluch des Unverfilmbaren

"Ich sollte niemals zulassen, dass irgend etwas, das meine Unterschrift trägt, für die Art infantilen Geschwätzes banalisiert und popularisiert wird, das als Horrorgeschichten deklariert dem Radio- und Kinopublikum vorgesetzt wird", schrieb H.P. Lovecraft zu Lebzeiten einem Briefpartner.

Man kann daraus ableiten, was der visionäre Schriftsteller wohl heute von den zahlreichen Bemühungen halten würde, seine Werke für die Leinwand, oder - noch schlimmer - für den Videoschirm zu adaptieren.

Jener Lovecraft, der seine literarischen Gestalten dem größtmöglichen Grauen aussetzte und dennoch während der Vorstellung von Tod Brownings DRACULA im Jahre 1931 nach der Hälfte des Films das Kino verließ. Ein Jahr später quälte er sich durch James Whales FRANKENSTEIN, um den mittlerweile unsterblichen Klassiker des Gruselfilms letztlich als "enttäuschend" zu bezeichnen. Diese Art der Darstellung war nicht seine Sache.

Als Farnsworth Wright 1933 Lovecrafts Geschichte "The Dreams in the Witch-House" kaufte, signalisierte er gleichzeitig Interesse daran, die Rechte für eine Radio-Bearbeitung zu erwerben. In diesem Zusammenhang sollte man erwähnen, dass das Hörspiel in Amerika eine ganz andere Tradition als in unseren Landen hat, eine Ausstrahlung also nicht unbeträchtlich zu Lovecrafts Popularität beigetragen hätte.

Auch das zusätzliche Honorar wäre für die Aufbesserung seiner stets allzu bescheidenen finanziellen Mittel Grund genug gewesen, das Angebot anzunehmen. Dennoch lehnte er es rigoros ab.

Ganz seinem Werk verpflichtet, teilte er Wright stolz mit: "Es ist kaum möglich, dass irgendeine wirklich sorgfältig geschriebene unheimliche Geschichte - in der so viel von der Atmosphäre und den Nuancen der Beschreibung abhängt - in ein Drama verändert werden kann, ohne sie irreparabel heranzuwürdigen, und alles das zu verlieren, was ihr ihre Kraft verleiht." Der Verlauf der Horrorfilmgeschichte sollte zeigen, dass diese Aussage durchaus nicht überheblich war.

Nun muss man selbst den engagiertesten Filmemachern zugute halten, dass Lovecrafts Strukturkonzept des Phantastischen mit seinen polymorphen Kreaturen und vielen anthropologischen, historischen und mythologischen Querverweisen geradezu antagonistisch zur linearen Erzählstruktur eines Kinofilms steht, der die Zuschauer weder durch eine zu ausgedehnte Exposition langweilen, noch durch Parallelhandlungen, Zeitsprünge oder Rückblenden überfordern will.

Lovecrafts häufige Verwendung des Ich-Erzählers und die dadurch bedingte selektive Form der Darstellung, die darüber hinaus meist retrospektiv ist, stürzt die Regisseure in die Problematik, den eigentlichen Höhepunkt der Geschichte bereits zu Beginn des Films preiszugeben und den übergeordneten Standpunkt einer Kamera zur subjektiven Erfahrungswelt des Protagonisten werden zu lassen.

Keine leichte Vorgabe, die einzuhalten es fast unmöglich machen würde, begleitende Charaktere glaubwürdig einzuführen und sie als unabhängig agierende Personen zu etablieren.

___________________________________________________________________

 

Lovecrafts Universum

Lovecrafts eigenwillige Lokalitäten sind stets mehr als eine bloße Illustration der Handlung. Ihnen kommt eine fundamentale Funktion innerhalb des fiktionalen Kontextes zu, ihre "pechschwarze, stinkende Finsternis" und "nichteuklidische, zyklopenhafte Architektur" dient dem Aufbau einer bestimmten gewünschten Atmosphäre, ohne die die Verstrickungen der Handlungsträger kaum vorstellbar sind.

Die literarische Verknüpfung von Hauptfigur und Raum in ein visuelles Medium zu übertragen, ist schwierig. An die Stelle einer Komplizierten Interaktion zwischen Protagonist, Lokalität und Metamorphose in Lovecrafts Werk tritt in der Kinowelt eine simplifizierende, banale Einflussnahme einzelner Gegenstände, wie die eines Gemäldes oder eines Buches.

Die Bauwerke, die in Lovecrafts Erzählungen eine wichtige Rolle spielen, haben einen der Realität verbundenen sichtbaren Teil. Sie sind aber gleichzeitig das Tor zu verbotenen Bereichen. In ihren weit verzweigten Systemen unterirdischer Gäbge, Kammern und Gruben mit morbidesten Inhalten kommen die Handlungsträger in Konflikt oder Konfrontation mit uraltem Schrecken, der vielgestaltig nur darauf wartet, an das Tageslicht der Normalität zu gelangen.

Im Film schrumpfen die Katakomben unermesslicher Größe zumeist budgetbedingt auf das Format eines Kellergewölbes und reduzieren die Ausmaße der Bedrohung so auf ein Minimum - das Necronomicon als Taschenbuchausgabe.

Sehr schwierig für die Realisierung einer kommerziell erfolgversprechenden Verfilmung ist auch der fehlende Dualismus in Lovecrafts Pantheon. Statt der einfachen Trennung von Gut und Böse im Monotheismus predigt Lovecrafts Mythenschöpfung den Polytheismus. Und diese Götter sind nahezu ausschließlich den destruktiven Kräften des Kosmos verpflichtet. Eine Läuterung der Diener des Bösen ist also von vorneherein ausgeschlossen.

Die konsequente Übertragung würde die Erwartungshaltung des Zuschauers betrügen, für den das Ende zumindest einen vorübergehenden Sieg der guten Kräfte bereithalten muss.

Lovecrafts Sorgfalt bei der Ausgestaltung seiner Erzählungen dient vor allem dem bewusst dosierten Aufbau von Spannung und Atmosphäre.
"Atmosphäre ist das Allerwichtigste, denn das eigentliche Kriterium von Authentizität ist nicht das Zusammenbauen einer Handlung, sondern das Schaffen eines bestimmten Gefühls", schrieb Lovecraft.

Dass gelegentlich selbst Regisseure scheitern, die ihr Hauptaugenmerk auf Atmosphäre legen, scheint ein Widerspruch. Bedenkt man jedoch, dass die Wirkung und das Zusammenspiel von Raum und Zeit in der vieldimensionalen Phantasie eines Lesers erheblich eindrucksvoller (und weniger lächerlich) erscheint als im zweidimensionalen Filmerlebnis, das der Imaginationskraft des Zuschauers nur geringen Spielraum lässt, kann man ein Scheitern besser verstehen.

Elementare Naturgesetze lassen sich eben leichter mit Worten außer Kraft setzen, als in Filmbildern, die in direktem Abbildungsvergleich mit der Realität stehen. Das sich Lovecraft bis zu seinem Tode geweigert hat, Adaptionen zuzulassen, mag darauf hindeuten, dass er trotz aller Selbstkritik doch an die literarische Qualität seiner Arbeiten glaubte.

___________________________________________________________________

 

Cthulhu frei nach Roger Corman & Co. - Die ersten Filmversuche

1963, als man in Deutschland den Namen "Cthulhu" noch nicht einmal buchstabieren, geschweige denn aussprechen konnte, begann "Arkham House" damit, die gesamte Prosa Lovecrafts neu aufzulegen. Ein Umstand, der der zu jener Zeit wohl wichtigsten Persönlichkeit der Low-Budget Filmszene - Roger Corman - nicht entgangen sein dürfte.

Der für seine äußerst profitablen, weil kostenbewusst und marktgerecht produzierten, "Schnellschüsse" berühmte und berüchtigte Corman hatte in diesen Jahren enormen Publikumszuspruch mit seinen sehr freien Edgar Allan Poe-Adaptionen, unter die er eigentlich gerade einen satirischen Schlussstrich gezogen hatte.

Um die erfolgsverwöhnte Produktionsfirma "American International Pictures" weiterhin mit Filmen aus dem finanziell so vielversprechenden Horrorgenre zu beliefern, fiel Cormans Wahl auf Lovecraft, den Corman neben Poe zu seinen bevorzugten Schriftstellern zählte. "Lovecraft ist einer der bedeutendsten Schriftsteller in der Geschichte der Horrorliteratur. Wie Poe verstand er das Konzept des Unterbewusstseins", erklärte er in einem Interview.
Seine Wahl fiel schließlich auf "The Case of Charles Dexter Ward" - zum ersten Mal adaptierte die Filmindustrie 1663 eine Geschichte aus der Feder Lovecrafts für die große Leinwand.

Für das Script wurde Charles Beaumont verpflichtet. Obschon von diesem talentierten Fantasy-Autoren der (Lovecraft würdige) Satz stammt: "Es ist das schlimmste Monster von allen. Es wird genannt - der Verstand...", zählte sich Beaumont nicht gerade zu den Anhängern Lovecrafts.

Ebenso wenig, wie die führenden Köpfe der AIP, die lieber auf die Einspielergebnisse mit dem Namen Poe auf ihren Filmplakaten setzten. So grub man einfach ein Gedicht Poes mit dem "The Haunted Palace" aus, und AIP- Chef James H. Nicholson ließ ein paar Zeilen daraus zu Beginn des Films rezitieren, damit man das Ganze gegen den erklärten Willen Roger Cormans als weitere Poe-Verfilmung verkaufen konnte.

"Das ist typisch Hollywood", kommentierte Hauptdarsteller Vincent Price. Der oftmals zum Overacting neigende Mime ist eine glatte Fehlbesetzung als Currwen/Ward, denn er gibt hier allenfalls die augenrollende Parodie eines "Hexenmeisters" zum Besten.

Selbstverständlich war AIP auch hier der Meinung dem zahlenden Zuschauer (und damit dem eigenen Geldbeutel) verpflichtet zu sein, denn Cormans Poe-Filmreihe war untrennbar mit dem bei der Firma unter Vertrag stehenden Price verknüpft.

Beaumont lieferte ebenfalls eine banale Auftragsarbeit um Liebe, Rache und Tod ab, die die Handlung auf filmstudiobegrenzte Lokalitäten zuschnitt. Lovecrafts komplexer Aufbau, der vor allem von dem glaubhaft geschilderten Lokalkolorit und schleichendem Schrecken lebt, weicht einer geradlinigen, zuschauerorientierten Erzählweise, die lediglich für die Atmosphäre des Films wichtige Einsprengsel der ursprünglichen Geschichte erlaubt.

Diese Elemente werden allerdings willkürlich eingewoben und simplifiziert. Cormans Curwen etwa definiert seine Bösartigkeit nur durch die Existenz des Necronomicons. Eine etwas kompliziertere Nachzeichnung seiner Biographie und der damit verbundenen mythischen Studien hätte die Transparenz des Filmcharakters nur verschleiert und wurde fallengelassen.

Für das Publikum einfach nachvollziehbare Stereotypen treten an die Stelle vielschichtiger Personen, deren aufwändige Charakterisierung den action-orientierten Fortgang der Handlung nur behindern würde.

Die Wiederbelebung der Toten durch ihre essentiellen Salze zu Forschungszwecken wird zu simplem Hokuspokus, der mit lateinisch rezitierten Zauberformeln der Auferstehung einer mumifizierten Geliebten dient.

Man mag Corman zugute halten, dass er eine unterhaltsame Gruselgeschichte visuell ansprechend auf die Leinwand brachte. Cineasten in aller Welt loben ihn ja auch enthusiastisch für den Einsatz sattester Farbgebung und effektvoller Architektur. Echter Lovecraft war THE HAUNTED PALACE (Die Folterkammer des Hexenjägers) längst nicht mehr.

___________________________________________________________________

 

Stirb, Lovecraft, stirb

Der Nächste, der sich 1965 an eine Lovecraft-Verfilmung heranwagte, war Daniel Haller. Seit 1954 arbeitete er als Filmarchitekt für Roger Corman und AIP. Seine stimmungsvollen Dekors und atmosphärischen Sets, die er mit akribischster Sorgfalt trotz niedrigster Budget schuf, retteten zumindest in der Ausstattung ein wenig des Lovecraftschen Geistes in THE HAUNTED PALACE herüber.

Haller hatte vor seiner Arbeit für Corman noch nie etwas von Lovecraft gelesen und übernahm die Regie zu DIE MONSTER DIE (Das Grauen auf Schloss Witley) nur zögernd. Weil AIP ihm bereits mehrere Angebote unterbreitet hatte und er befürchtete keine weitern Offerten mehr zu bekommen, wenn er ablehnte, sagte er zu.

Hallers ansprechende Schauplatzwahl und das liebevoll gestaltete Ambiente sorgen für eine reizvolle Gruselatmosphäre, doch leider stellte sich heraus, dass Hallers Fähigkeiten als Produktionsdesigner die als Regisseur bei weitem überstiegen.

Jerry Sohls völlig von der ursprünglichen Geschichte abweichendes Drehbuch tat ein Übriges, um die kraftvolle Vorlage um einen geheimnisvollen Meteoriten, der unheimliche Veränderung in der Natur und letztlich auch beim Menschen bewirkt, in ein "radioaktives Monster läuft Amok"-Szenario abgleiten zu lassen.

Schon die Verlagerung der Handlung auf ein englisches Schloss birgt mehr Nähe zu Poe als zu Lovecraft. Die faszinierende, mysteriöse "Farbe aus dem All" wird zu einem einfachen, radioaktiven Meteor, der bemerkenswertes Pflanzenwachstum hervorbringt und Nahum Witley (gespielt von Boris Karloff) sehr vordergründig zu einem amoklaufenden Irren macht.

Auch ein Buch (hier ist es: The Cult of the Outer Ones) und das düstere Porträt eines Ahnen erhalten eine wichtige Rolle und spielen so auf einen "Hexenmeister" an, den es in der literarischen Vorlage ebenfalls nicht gibt.

"Das Script wurde nach den Erfolgsformeln der Poe-Filme zusammengebastelt...Ich bin sicher, wenn ich den Film ein oder zwei Jahre später gedreht hätte...wäre alles ganz anders geworden", gab Haller später zu. Trotz komfortabler 3 Wochen Drehzeit bleibt dieser Film in erster Linie bemerkenswert, weil es sich um ein Spätwerk des großen Horrordarstellers Karloff handelt.

Das Scheitern der Filmschaffenden ist umso bedauerlicher, da ausgerechnet "The Colour out of Space", wie die Literaturvorlage betitelt war, zu den ganz wenigen Erzählungen gehörte, auf die der selbstkritische Lovecraft besonders stolz war. Er nannte es sogar bisweilen "seine beste Geschichte" und erhielt für die Veröffentlichung in den "Amazing Stories" seinerzeit die stolze Summe von 25 Dollar.

Mit Hilfe von Roger Corman, der als Executive Producer fungierte, wagte sich Haller einige Jahre später tatsächlich noch einmal an einen Stoff von Lovecraft heran.
THE DUNWICH HORROR (Voodoo child) durfte 1970 sogar zum ersten Mal offiziell den Namen Lovecrafts zu Promotionzwecken tragen.

Gleich ein Triumvirat von Drehbuchautoren - Curtis Lee Hansen, Henry Rosenbaum und Ronald Silkosky - versuchte sich daran den "Dunwich Horror" zu popularisieren. Mit mäßigem Erfolg, denn auch sie zentrierten ihre Geschichte um das "Necronomicon", den "Sesam-öffne-dich zu anderen Dimensionen", wie es im Film simplifizierend heißt. Weiterhin konstruierten sie ein jungfräuliches Opferritual, um eine Pointe zum Filmende vorzubereiten, in welcher die Hauptdarstellerin Sandra Dee, während der Zelebrierung geschwängert, den Keim eines neuen Whateleys in sich trägt - ein inzwischen sattsam bekanntes Horrorklischee ohne Bezug zum Originaltext.

Haller widmet den Traumsequenzen, die ihre filmische Nähe zum kurz zuvor entstandenen "Rosemaries Baby" von Roman Polanski nicht verleugnen können, zuviel Aufmerksamkeit, schafft aber immer dann, wenn er versucht Lovecrafts Originalerzählung in eine adäquate Bildsprache zu übertragen, faszinierende Momente.

Was bleibt, ist ein äußerst zwiespältiger Streifen mit zeitgemäßen, reichlich psychedelisch angehauchten Bilderfolgen und Farbverfremdungen, sowie netten Dekors und bemühten Schauspielern wie Dean Stockwell und Sam Jaffe. Drehort war das damalige Hippie-Mekka in Mendocino, Südkalifornien. Insgesamt gesehen ist DUNWICH HORROR aber besser und wesentlich originalgetreuer als Hallers Erstling. Haller, damals immer noch bei AIP unter Vertrag, verteidigte später das dürftige Script: "Es waren alle beteiligt. Und uns saß die Zeit im Nacken. Wir hätten gerne ein paar Tage mehr zur Bearbeitung des Drehbuchs zur Verfügung gehabt, aber wir mussten uns dem knappen Drehplan beugen."

Lovecrafts komplexen Mythos und seine poitierten Stimmungseffekte konnte Haller aber auch diesmal nicht einfangen. Sein Tentakelmonster ist eine billige, glücklicherweise selten sichtbare Imitation des "Dunwich Horrors", weit entfernt selbst von Lovecrafts vager Beschreibung: "Es war ein Tintenfisch, ein Tausendfüßler, eine Art Spinne - aber obendrauf war das halbe Gesicht eines Menschen!"

So konnte der Filmkritiker Vincent Canby dem Film in der New York Times eine lange Rezension widmen und den phantasielosen Streifen verdammen, während er gleichzeitig den phantasiebegabten Lovecraft lobte. Man sollte allerdings zumindest nicht übersehen, dass Haller trotz der bemühten Anstrengungen, HLPs frauenloses Universum um Weiblichkeit zu erweitern und damit um einige ziemlich frei gestaltete Facetten zu bereichern, der Originalgeschichte im Wesentlichen folgt.

wird fortgesetzt...

 

        howard phillips lovecraft